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Tages-Make-up – natürlich, frisch & typgerecht

  • Autorenbild: beautyacademy
    beautyacademy
  • vor 4 Tagen
  • 12 Min. Lesezeit
Infografik zu Tages-Make-up mit Model, Schminkschritten, Produkten und Tipps auf rosa-weißem Hintergrund.





Ein gelungenes Tages-Make-up soll die natürliche Ausstrahlung einer Person unterstützen, ohne auf den ersten Blick „geschminkt“ zu wirken.


Der Teint erscheint ausgeglichener und frischer, die Augen wirken wacher, die Gesichtszüge erhalten sanfte Kontur und die Lippen werden dezent betont. Dabei steht nicht die Menge der verwendeten Produkte im Mittelpunkt, sondern deren gezielter und typgerechter Einsatz.


Unsere Fachunterlagen formulieren einen entscheidenden Grundsatz für typgerechtes Make-up: Farben, Farbharmonie, Anlass, Gesichtsform, Gesichtszüge und Alter sollten berücksichtigt werden. Ein gelungenes Make-up hebt Vorzüge hervor und kaschiert Unliebsames dezent – es sollte weder maskenhaft noch überschminkt wirken.

MERKSATZ: Ein perfektes Tages-Make-up soll nicht die Schminke zeigen – sondern die Person frisch, gepflegt und harmonisch wirken lassen.

Was zeichnet ein Tages-Make-up aus?

Tages-Make-up wird überwiegend bei natürlichem beziehungsweise hellem Licht wahrgenommen.


Dadurch fallen harte Übergänge, unpassende Foundationfarben oder zu intensive Produktmengen besonders schnell auf.


Das Ziel ist deshalb ein harmonischer, frischer und typgerechter Gesamteindruck.

Wie natürlich dieser ausfallen soll, hängt allerdings von der jeweiligen Person ab.

Unsere Ausbildungsunterlagen unterscheiden verschiedene Stiltypen. Während beispielsweise beim sportlichen Typ ein dezentes, frisches und zurückhaltendes Make-up mit wenig geschminkter Wirkung empfohlen wird, kann ein femininer oder extravaganter Typ durchaus stärkere Akzente bevorzugen.


Das zeigt einen wichtigen Grundsatz:

Tages-Make-up bedeutet nicht automatisch für jede Kundin dasselbe.


Erst analysieren – dann schminken

Ein professionelles Tages-Make-up beginnt nicht mit der Foundation. Es beginnt mit dem Betrachten der Person.


Aus den vorherigen Kapiteln kennen wir bereits die Gesichtsanalyse. Dabei werden unter anderem:


  • Gesichtsform,

  • Augen,

  • Mund,

  • Nase,

  • Stirn,

  • Wangen,

  • Gesichtszonen und

  • Abstände


betrachtet.


Beim Tages-Make-up kommt zusätzlich die Frage hinzu:

Welche Wirkung soll entstehen?

Natürlich?

Klassisch?

Feminin?

Sehr dezent?

Oder darf ein Bereich bewusst stärker hervorgehoben werden?


Erst wenn diese Frage geklärt ist, sollte die Intensität des Make-ups festgelegt werden.


Tages-Make-up beginnt mit einer gut vorbereiteten Haut

Ein natürlich wirkender Teint benötigt eine passende Grundlage.


Unsere Fachkunde beschreibt die Vorbereitung eindeutig:

Zunächst werden die Augen mit Augen-Make-up-Entferner und das Gesicht mit Reinigungsmilch sowie Gesichtswasser gereinigt. Auf die gründlich gereinigte Haut wird anschließend eine Feuchtigkeitscreme als Unterlage aufgetragen.


Damit ergibt sich als Basis:

Reinigung → Gesichtswasser → Pflege → Make-up

Welche Pflege verwendet wird, sollte – wie bereits in Kapitel 3 besprochen – zum jeweiligen Hautbild passen.

PRAXISTIPP: Die schönste Foundation kann eine schlecht vorbereitete Haut nur begrenzt ausgleichen. Ein natürliches Tages-Make-up beginnt deshalb bereits vor der Farbe.

Der Teint – so wenig wie möglich, so viel wie nötig

Beim Tages-Make-up sollte Foundation nicht dazu dienen, das Gesicht vollständig mit einer sichtbaren Farbschicht zu überdecken.

Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, den Teint optisch auszugleichen und eine harmonische Basis für das weitere Make-up zu schaffen.

Dabei ist die richtige Farbe entscheidend.


Unsere Fachkunde gibt hierfür eine klare Orientierung:

Die Foundation soll weder heller noch dunkler, rosiger oder grauer als die Haut wirken. Als Maßstab wird die Haut am Hals herangezogen. Sind zwischen grundierter Haut und Umgebung keine sichtbaren Farbränder erkennbar, ist der Farbton richtig gewählt.


Hautunterton beachten

Nicht nur die Helligkeit einer Foundation ist entscheidend.

Auch der Unterton muss stimmen.

Die ergänzende Fachunterlage weist darauf hin, dass Foundation beziehungsweise getönte Tagescreme sowohl hinsichtlich der Helligkeit als auch hinsichtlich eines rosigen oder gelblichen Hautuntertons abgestimmt werden sollte. Andernfalls kann das Make-up aufgesetzt und unnatürlich wirken.

Damit gilt für ein natürliches Tages-Make-up:

Die beste Foundation ist jene, deren Übergang zur eigenen Haut möglichst wenig sichtbar ist.

Foundation gezielt auftragen

Für den Foundationauftrag stehen unterschiedliche Werkzeuge zur Verfügung.


Unsere Fachkunde nennt:

  • Foundationpinsel,

  • Finger,

  • Schwämmchen,

  • Profibürste und

  • Airbrush-Technik.


Besonders das Schwämmchen eignet sich laut Unterlage für schwer erreichbare Bereiche wie die Nase und zum Kaschieren von Übergängen.

Unabhängig vom Werkzeug sollte beim Tages-Make-up kontrolliert gearbeitet werden.


Das Ziel lautet:

gleichmäßig verteilen – Übergänge sauber ausarbeiten – Natürlichkeit erhalten.


Nicht jede Unregelmäßigkeit braucht mehr Foundation

Ein häufiger Fehler besteht darin, für einzelne Hautunregelmäßigkeiten immer mehr Foundation auf das gesamte Gesicht aufzutragen.

Professioneller ist es, gezielt zu korrigieren.


Unsere Fachkunde unterscheidet beispielsweise:

Augenringe und Vertiefungen

Sie werden mit einem helleren Ton als die Grundierung aufgehellt. Dafür können Concealer, Abdeckstift oder Abdeckcreme eingesetzt werden.

Pigmentstörungen

Diese werden dagegen im gleichen Ton wie die Grundierung abgedeckt.


Damit können wir einen wichtigen Grundsatz ableiten:

Foundation schafft die Basis – Korrekturprodukte übernehmen die gezielte Korrektur.


Concealer – Frische dort, wo sie gebraucht wird

Gerade die Augenpartie beeinflusst stark, ob ein Gesicht frisch oder müde erscheint.

Ein heller Concealer kann Vertiefungen optisch aufhellen.

Die Fachliteratur beschreibt außerdem, dass ein Tupfer aufhellender Concealer im inneren und äußeren Augenwinkel die Augenpartie auffrischen kann. Das Produkt wird dabei sanft eingeklopft und verstrichen.


Auch hier gilt:

Nicht großflächig heller schminken.

Gezielt dort aufhellen, wo tatsächlich Schatten ausgeglichen werden sollen.


Puder – ja oder nein?

Nicht jedes Tages-Make-up benötigt zwangsläufig Puder.

Unsere Fachunterlage bezeichnet Gesichtspuder insbesondere bei fettiger Haut und Mischhaut als hilfreich, da sich im Laufe des Tages vor allem in der T-Zone Glanz entwickeln kann.


Bei trockener Haut kann ebenfalls etwas Puder zur Fixierung verwendet werden. Entsteht jedoch ein spannendes Hautgefühl, sollte auf eine regelmäßige Anwendung verzichtet werden.


Damit sollte Puder nicht automatisch nach dem Motto „Ein Make-up muss abgepudert werden“ eingesetzt werden.


Die bessere Frage lautet:

Braucht diese Haut Puder?


Was bewirkt Puder?

Gesichtspuder kann zwei wichtige Funktionen erfüllen:

Foundation fixieren und unerwünschten Fettglanz reduzieren.


Dabei muss auch der Puderfarbton zum Teint beziehungsweise zur Grundierung passen.

Ein zu dunkler Puder kann laut Fachunterlage dazu führen, dass das Gesicht deutlich geschminkt erscheint.


Für unser Tages-Make-up bedeutet das:

Fixieren, ohne eine sichtbare Puderschicht entstehen zu lassen.


Rouge – Frische statt Farbfläche

Rouge ist für ein frisches Tages-Make-up besonders wirkungsvoll.


Unsere Fachkunde beschreibt seine Aufgabe sehr klar:

Rouge verleiht dem Gesicht Frische und kann gleichzeitig durch gezielte Platzierung die Gesichtsform optisch beeinflussen. Für ein natürliches Tages-Make-up sollte jedoch nicht zuerst die Modellierung im Vordergrund stehen. Die Wirkung sollte frisch und harmonisch bleiben.


Ein Hauch von Farbe genügt

Die ergänzende Fachliteratur beschreibt bei Rouge ausdrücklich, dass eine farbige Transparenz und weniger starke Deckkraft erwünscht ist.

Ein Hauch von Farbe erleichtert einen natürlichen, frischen Eindruck. Perlglanz wird dort eher dem Abend-Make-up als dem dezenten Tages-Make-up zugeordnet.

PRAXISTIPP: Rouge lieber schrittweise aufbauen. Zu wenig lässt sich ergänzen – zu viel muss wieder korrigiert werden.

Augenbrauen – Rahmen geben, ohne zu dominieren

Die Augenbrauen geben der Augenpartie Struktur.

Beim Tages-Make-up sollten sie deshalb gepflegt und bei Bedarf definiert werden, ohne automatisch zum stärksten Element des Gesichts zu werden.

Wie wir in Kapitel 8 gelernt haben, können vorhandene Härchen zunächst aufgebürstet und kleine Lücken gezielt ausgeglichen werden.


Dabei gilt auch hier:

Die natürliche Form bleibt die Orientierung.

Ein Tages-Make-up profitiert häufig mehr von einer sauber definierten natürlichen Braue als von einer sehr stark gezeichneten Kontur.


Augen-Make-up – wach und frisch statt schwer

Für ein natürliches Tages-Make-up müssen die Augen nicht zwingend mit mehreren intensiven Lidschattenfarben gestaltet werden.

Schon Mascara kann einen deutlichen Unterschied bewirken.

Die Fachliteratur beschreibt, dass getuschte Wimpern die Augen öffnen und sie größer und wacher erscheinen lassen. Für hellere Haartypen werden Braun oder Grau und für dunklere Haartypen Schwarz als mögliche Mascara-Farben genannt.


Damit kann bereits eine sehr reduzierte Variante entstehen:

gepflegter Teint + Rouge + definierte Brauen + Mascara + dezente Lippenfarbe.


Lidschatten für ein natürliches Tages-Make-up

Soll zusätzlich Lidschatten verwendet werden, können helle und zurückhaltende Nuancen die Augenpartie optisch auffrischen.


Die Fachunterlage nennt beispielsweise:

  • Hellbeige,

  • Rosé und

  • Vanille

als Möglichkeiten.


Ein heller Lidschatten kann über das Lid gegeben werden. Ein zweiter, etwas dunklerer und eher bräunlicher Ton kann anschließend zur Modellierung eingesetzt werden.

So entsteht Tiefe, ohne dass die Augenpartie zwangsläufig stark geschminkt wirkt.


Weiche Übergänge sind entscheidend

Gerade beim Tages-Make-up sollten Farbübergänge sauber ausgearbeitet werden. Lidschatten sollte nicht wie eine isolierte Farbfläche auf dem Lid liegen.


Das Prinzip aus unseren bisherigen Kapiteln gilt weiterhin:

Produkt aufnehmen → dosiert platzieren → weich verblenden → Gesamtwirkung kontrollieren.

Je natürlicher der Look wirken soll, desto wichtiger werden saubere Übergänge.


Eyeliner und Kajal – Akzent statt Pflicht

Ein Tages-Make-up benötigt nicht zwingend einen sichtbaren Lidstrich.

Eyeliner kann laut Fachliteratur jedoch gezielt eingesetzt werden, um dem Auge mehr Kontur zu geben und seine Form optisch hervorzuheben.

Für ein dezentes Ergebnis kann die Kontur entsprechend zurückhaltend gestaltet werden.


Entscheidend ist nicht, ob Eyeliner verwendet wird, sondern:

Passt die Intensität zum gewünschten Gesamtlook?


Lippen – gepflegt und harmonisch

Eine dezente Lippenfarbe kann ein Basis-Tages-Make-up harmonisch abrunden.

Dabei muss „dezent“ nicht bedeuten, dass die Lippen farblos bleiben müssen.

Rosé-, Braun-, Apricot- oder andere typgerechte Nuancen können je nach Hautunterton und Farbkonzept eingesetzt werden.

Wie wir in Kapitel 9 gesehen haben, sollten Lippenfarbe, Kontur und Textur immer mit dem restlichen Make-up harmonieren.


Das wichtigste Prinzip: einen Schwerpunkt setzen

Ein Tages-Make-up darf durchaus ausdrucksstark sein.


Doch dann empfiehlt unsere Fachliteratur eine wichtige Regel:

Nicht Augen und Lippen gleichzeitig in kräftigen Farben betonen.


Für ein ausdrucksvolles Tages-Make-up sollte vielmehr ein Schwerpunkt gesetzt werden.


Das bedeutet:

Schwerpunkt Augen

Die Augen dürfen stärker definiert werden, während die Lippen zurückhaltender bleiben.

Schwerpunkt Lippen

Eine intensivere Lippenfarbe wird zum Blickfang, während das Augen-Make-up entsprechend ruhiger gestaltet werden kann.

MERKE: Natürlichkeit bedeutet nicht, auf Ausdruck zu verzichten. Entscheidend ist, wo der Blick bewusst hingelenkt wird.

Ein natürliches Tages-Make-up muss nicht farblos sein

Interessant ist auch der Hinweis der Fachliteratur, dass selbst Anthrazit-, Blau-, Grün- oder Lilaschattierungen im Tages-Make-up funktionieren können, wenn sie gut dosiert und gezielt platziert werden – beispielsweise als Akzent am Wimpernkranz.


Damit wird ein wichtiger Unterschied deutlich:

Nicht allein die Farbe entscheidet darüber, ob ein Make-up natürlich oder dominant wirkt.


Auch:

  • Produktmenge,

  • Platzierung,

  • Fläche,

  • Intensität und

  • Übergänge

bestimmen die Wirkung.


Tages-Make-up und Farbharmonie

Kapitel 10 bildet dafür unsere Grundlage.

Ein typgerechtes Tages-Make-up berücksichtigt nicht nur einzelne Lieblingsfarben.


Die Fachunterlagen nennen ausdrücklich:

  • Farbintensität,

  • Harmonie der Make-up-Farben untereinander,

  • Kleidung,

  • Anlass,

  • Gesichtsform und

  • Alter

als relevante Faktoren.


Damit sollte das fertige Make-up immer als Gesamtkonzept betrachtet werden.

Foundation, Rouge, Augen und Lippen müssen nicht identisch gefärbt sein – sie sollten jedoch miteinander funktionieren.


Natürliches Tages-Make-up – Schritt für Schritt

Nun führen wir die Inhalte unserer bisherigen Kapitel zu einem vollständigen Ablauf zusammen.


1. Kundin und Gesamtwirkung analysieren

Gesichtsform, Hautbild, Augen, Lippen, Farbwirkung und persönlichen Stil betrachten.

Frage: Wie natürlich oder ausdrucksstark soll das Ergebnis werden?


2. Haut reinigen

Augenpartie und Gesicht gründlich, aber passend zum Hautbild reinigen.

Anschließend Gesichtswasser verwenden.


3. Haut vorbereiten

Eine geeignete Feuchtigkeitspflege beziehungsweise Make-up-Unterlage auftragen. Die Haut soll für die Foundation vorbereitet sein.


4. Foundationfarbe bestimmen

Farbton an der Haut beziehungsweise am Übergang zum Hals beurteilen.

Foundation darf nicht sichtbar heller, dunkler, rosiger oder grauer wirken als die natürliche Haut.


5. Foundation dünn und gleichmäßig auftragen

Produkt kontrolliert verteilen.

Besonders auf Übergänge achten:

  • Haaransatz,

  • Nasenbereich,

  • Kieferlinie und

  • Übergang zum Hals.

Das Ziel ist kein „Foundation-Gesicht“, sondern ein ausgeglichener Teint.


6. Gezielt korrigieren

Augenringe beziehungsweise Vertiefungen mit einem helleren Produkt aufhellen. Pigmentstörungen im Ton der Grundierung korrigieren.


7. Bei Bedarf pudern

Besonders T-Zone beziehungsweise glänzende Bereiche kontrollieren.

Nicht jede Haut benötigt die gleiche Pudermenge.


8. Augenbrauen ordnen und definieren

Härchen aufbürsten.

Kleine Lücken bei Bedarf auffüllen.

Natürliche Brauenform beibehalten und Intensität kontrollieren.


9. Augen gestalten

Je nach gewünschtem Look:

  • nur Mascara oder

  • heller Basislidschatten plus sanfte Modellierung oder

  • zusätzlich eine dezente Kontur am Wimpernrand.

Das Ergebnis sollte zum Auge und zum Gesamtlook passen.


10. Rouge auftragen

Mit wenig Produkt beginnen.

Frische schaffen und gegebenenfalls die Gesichtsform sanft unterstützen.

Übergänge sorgfältig verblenden.


11. Lippen gestalten

Je nach Schwerpunkt:

  • dezente Lippenfarbe,

  • Lipliner bei Bedarf,

  • Lippenstift oder

  • Gloss.

Die Lippenfarbe mit Augen-Make-up und Gesamtfarbkonzept abstimmen.


12. Gesamtbild kontrollieren

Jetzt nicht mehr einzelne Bereiche betrachten.

Etwas Abstand nehmen und das gesamte Gesicht beurteilen.

Frage dich:

Wirkt der Teint natürlich?

Sind Übergänge sichtbar?

Sind Augen und Lippen ausgewogen?

Ist das Rouge zu stark?

Passt die Farbwelt zur Person?

Gibt es einen Bereich, der unbeabsichtigt zu dominant wirkt?


Die Minimalvariante – „ungeschminkt geschminkt“

Nicht jede Kundin möchte ein vollständig ausgearbeitetes Tages-Make-up.

Für einen besonders natürlichen Eindruck kann die Produktmenge stark reduziert werden.


Eine mögliche Minimalvariante besteht beispielsweise aus:

leichter Teintkorrektur → punktuellem Concealer → sanftem Rouge → gepflegten Augenbrauen → Mascara → dezenter Lippenfarbe


Wichtig: Diese Zusammenstellung ist eine praxisorientierte Ableitung aus den einzelnen Schritten unserer Unterlagen und keine dort vorgeschriebene starre Reihenfolge.


Das Ziel bleibt:

Die Person soll frischer wirken – nicht sichtbar stärker geschminkt.


Die ausdrucksvollere Variante

Ein Tages-Make-up kann auch mehr Ausdruck besitzen.


Dann kann beispielsweise ein Schwerpunkt gesetzt werden:

Variante A – Augen im Mittelpunkt

  • ausgeglichener Teint,

  • dezentes Rouge,

  • definierte Augenbrauen,

  • Lidschattenmodellierung,

  • Wimpernkontur,

  • Mascara,

  • zurückhaltendere Lippen.

Variante B – Lippen im Mittelpunkt

  • natürlicher Teint,

  • frisches Rouge,

  • gepflegte Brauen,

  • zurückhaltendes Augen-Make-up,

  • Mascara,

  • klarer definierte beziehungsweise kräftigere Lippenfarbe.


Die Grundlage dafür ist der in unseren Fachunterlagen ausdrücklich empfohlene einzelne Schwerpunkt beim ausdrucksvollen Tages-Make-up.


Tages-Make-up für unterschiedliche Stiltypen

Typgerecht bedeutet, dass nicht jede Person dasselbe Make-up erhält.

Der klassisch-elegante Typ

Hier unterstützt laut Fachkunde ein perfektes, harmonisch dezentes Make-up den zeitlosen Stil.

Sauberkeit, Ausgewogenheit und klare Linien stehen im Vordergrund.

Der feminine Typ

Hier darf das Make-up weiblicher und stärker akzentuiert sein. Die Unterlage nennt insbesondere stärker betonte Lippen als Teil des femininen Gesamtbildes.

Der extravagante Typ

Farben und neue Looks dürfen mutiger eingesetzt werden. Dieser Typ wird in den Unterlagen als kreativ, experimentierfreudig und trendbewusst beschrieben.

Der romantische Typ

Ein heller und zarter Gesamteindruck passt zur beschriebenen Stilrichtung; Augen und Lippen können dabei dennoch betont werden.

Der sportliche Typ

Hier soll das Make-up laut Fachkunde dezent, frisch und zurückhaltend sein und einen wenig geschminkten Eindruck vermitteln.

Damit wird besonders deutlich:

Typgerecht ist wichtiger als eine starre Tages-Make-up-Schablone.

Make-up-Finish – braucht jedes Tages-Make-up alles?

Nein.

Unsere Fachliteratur stellt ausdrücklich fest, dass ein komplettes Make-up zwar Grundierung sowie die Gestaltung von Augen- und Lippenpartie umfasst, Rouge und Puder aber nicht für jedes Tages-Make-up zwingend erforderlich sind.


Das ist ein sehr wichtiger professioneller Gedanke.

Produkte sollten nicht verwendet werden, nur weil sie im Schminkkoffer vorhanden sind.

Jedes Produkt sollte eine Aufgabe erfüllen.

Braucht die Haut Puder?

Braucht das Gesicht Rouge?

Braucht die Augenpartie Eyeliner?

Brauchen die Lippen eine Kontur?

Wenn die Antwort nein lautet, kann das Weglassen eines Produktes professioneller sein als sein routinemäßiger Einsatz.


Typische Fehler beim Tages-Make-up

Fehler 1: Zu viel Foundation

Eine dicke Grundierung kann den natürlichen Hautcharakter überdecken.

Besser: Teint ausgleichen und einzelne Unregelmäßigkeiten gezielt korrigieren.

Fehler 2: Falscher Foundationfarbton

Sichtbare Farbunterschiede zu Hals und Umgebung lassen das Make-up aufgesetzt wirken.

Besser: Farbe sorgfältig auf den natürlichen Teint abstimmen.

Fehler 3: Alles stark abpudern

Nicht jede Haut benötigt dieselbe Pudermenge.

Besser: Nach Hautbild und tatsächlichem Glanz entscheiden.

Fehler 4: Zu viel Rouge

Statt Frische entsteht eine sichtbare Farbfläche.

Besser: Einen Hauch Farbe schrittweise aufbauen.

Fehler 5: Harte Lidschattenübergänge

Unverblendete Kanten können das Tages-Make-up unnötig schwer wirken lassen.

Besser: Weich ausarbeiten und regelmäßig das Gesamtbild kontrollieren.

Fehler 6: Augen und Lippen gleichzeitig stark betonen

Dadurch konkurrieren mehrere Bereiche um Aufmerksamkeit.

Besser: Bei einem ausdrucksvollen Tages-Make-up einen Schwerpunkt setzen.

Fehler 7: Den persönlichen Stil ignorieren

Ein technisch korrektes Make-up kann trotzdem unpassend wirken.

Besser: Intensität und Stil an die Person anpassen.

Fehler 8: Jedes verfügbare Produkt verwenden

Mehr Produkte bedeuten nicht automatisch ein professionelleres Ergebnis.

Besser: Nur einsetzen, was für das gewünschte Ergebnis tatsächlich benötigt wird.


Das Tages-Make-up aus der Nähe und aus der Distanz kontrollieren

Während des Schminkens arbeiten wir häufig sehr nah am Gesicht.

Dadurch fallen einzelne Details besonders stark auf.

Am Ende sollte das Make-up jedoch auch aus normalem Betrachtungsabstand beurteilt werden.


Aus der Nähe kontrollieren wir:

  • Übergänge,

  • Konturen,

  • Produktverteilung und

  • kleine Unregelmäßigkeiten.

Aus etwas Entfernung kontrollieren wir:

  • Proportionen,

  • Farbwirkung,

  • Schwerpunkt,

  • Symmetrie und

  • Gesamtharmonie.

Beides gehört zusammen.


Tages-Make-up – die Profi-Checkliste

Vor Abschluss des Make-ups können wir uns folgende Fragen stellen:

Teint

Passt die Foundation wirklich zur Haut?

Sind Übergänge unsichtbar?

Wurden nur notwendige Bereiche korrigiert?

Puder

Ist Puder überhaupt notwendig?

Wirkt die Haut noch natürlich?

Rouge

Verleiht es Frische oder sieht man zuerst die Farbe?

Augenbrauen

Sind sie gepflegt und definiert, ohne unnötig dominant zu wirken?

Augen

Wirken sie wach und harmonisch?

Sind die Übergänge weich?

Lippen

Passt die Lippenfarbe zum restlichen Make-up?

Farbharmonie

Arbeiten Augen, Rouge und Lippen miteinander?

Schwerpunkt

Ist bewusst erkennbar, welcher Bereich stärker betont werden soll?

Persönlichkeit

Passt das Make-up tatsächlich zur Kundin?

Gesamtbild

Wirkt das Gesicht frisch, gepflegt und harmonisch – statt überschminkt?


Was solltest du dir für die Praxis merken?

1. Analyse kommt vor Produkt

Erst Person, Haut, Stil und gewünschte Wirkung beurteilen.

2. Hautvorbereitung ist Teil des Make-ups

Ein schöner Teint beginnt mit Reinigung und passender Pflege.

3. Foundation muss zum Teint passen

Keine sichtbaren Farbunterschiede zwischen Gesicht und Umgebung.

4. Korrigiere gezielt

Nicht jede Unregelmäßigkeit benötigt mehr Foundation.

5. Puder nach Bedarf einsetzen

Besonders Hautbild und Glanz berücksichtigen.

6. Rouge soll Frische schaffen

Ein Hauch Farbe kann vollkommen ausreichen.

7. Augen müssen nicht stark geschminkt sein

Schon Mascara kann die Augen größer und wacher erscheinen lassen.

8. Weiche Übergänge erhalten die Natürlichkeit

Bei Teint, Rouge und Augen-Make-up.

9. Setze bei stärkerem Tages-Make-up einen Schwerpunkt

Augen oder Lippen – nicht automatisch beides gleichzeitig.

10. Typgerecht ist wichtiger als Trend

Das Make-up soll zur Person passen.


Fazit: Natürlichkeit entsteht durch die richtige Dosierung

Ein professionelles Tages-Make-up ist die Verbindung all jener Grundlagen, die wir in den bisherigen Kapiteln kennengelernt haben.

Wir analysieren Haut und Gesicht.

Wir wählen den passenden Foundationton.

Wir korrigieren nur dort, wo es sinnvoll ist.

Wir verleihen dem Gesicht mit Rouge Frische.

Wir geben Augen und Augenbrauen Ausdruck.

Wir wählen Lippenfarben passend zur Person.

Und wir verbinden alles durch eine harmonische Farbgestaltung.

Dabei entsteht Natürlichkeit nicht dadurch, gar kein Make-up zu verwenden.

Sie entsteht dadurch, Make-up so gezielt einzusetzen, dass die Produkte nicht wichtiger werden als das Gesicht.

Das Tages-Make-up ist deshalb eine besonders schöne Form professioneller Visagistik:

Es zeigt, wie viel Wirkung mit Analyse, guter Technik und bewusster Zurückhaltung erreicht werden kann.


MERKSATZ:


Das schönste Tages-Make-up lässt nicht zuerst Foundation, Rouge oder Lidschatten erkennen – sondern einen frischen Teint, wache Augen und die natürliche Ausstrahlung der Person.







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