Augen-Make-up – Ausdruck gezielt gestalten


Die Augen gehören zu den ausdrucksstärksten Bereichen des Gesichts. Schon kleine Veränderungen durch Lidschatten, Kajal, Eyeliner oder Mascara können beeinflussen, wie offen, intensiv oder zurückhaltend eine Augenpartie wirkt.
Professionelle Visagistik bedeutet dabei nicht, jedes Auge nach demselben Schema zu schminken.
Entscheidend ist vielmehr, zunächst Augenform, Augenabstand und die Proportionen der gesamten Augenpartie zu betrachten und anschließend Farben und Techniken gezielt einzusetzen.
Unsere Fachkunde-Unterlagen berücksichtigen bei der Gesichtsanalyse ausdrücklich den Pupillenabstand sowie den inneren und äußeren Augenabstand.
MERKE: Ein gelungenes Augen-Make-up beginnt nicht mit Lidschatten – sondern mit dem genauen Betrachten der Augen.
Warum die Augenanalyse so wichtig ist
Augen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Farbe.
Auch ihre:
Größe,
Form,
Position,
Abstände zueinander und
Wirkung innerhalb des gesamten Gesichts
können unterschiedlich sein.
Gut platzierte Schattierungen können die optische Wirkung der Augenform beeinflussen. Sie können beispielsweise dazu beitragen, kleinere Augen größer wirken zu lassen und damit den gesamten Gesichtsausdruck zu verändern.
Deshalb gilt auch hier das Prinzip, das uns bereits aus der Gesichtsanalyse bekannt ist:
Erst analysieren – dann gestalten.
Das wichtigste Prinzip: Hell und Dunkel
Bei der Modellierung der Augen gilt laut unseren Ausbildungsunterlagen derselbe Grundsatz wie bei der Gestaltung des Gesichts:
Dunkel tritt optisch zurück.
Hell tritt optisch hervor.
Dieses Prinzip ist eine wichtige Grundlage für die Platzierung von Lidschatten.
Helle Farben
Helle Bereiche treten optisch stärker hervor.
Dunkle Farben
Dunkle Bereiche treten optisch zurück und können gleichzeitig stärker konturieren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass für jede Augenform automatisch dieselbe helle und dunkle Zone festgelegt werden kann.
Die Platzierung sollte immer zur jeweiligen Augenpartie passen.
MERKSATZ: Hell hebt hervor – Dunkel nimmt zurück. Die Platzierung entscheidet über die Wirkung.
Die Grundlage des Lidschattens
Für ein ausdrucksvolleres Augen-Make-up empfiehlt eine der vorhandenen Fachunterlagen zunächst eine helle Grundierung des gesamten Augenlids.
Dafür kann beispielsweise ein heller Puder-Lidschatten verwendet werden.
Genannt werden Farbrichtungen wie:
Weiß,
Beige oder
Apricot.
Alternativ kann auch ein heller Gesichtspuder eingesetzt werden.
Der Vorteil dieser Grundierung: Der anschließend aufgetragene Lidschatten erhält eine bessere Haftungsgrundlage.
Damit entsteht zunächst eine ruhige Basis, auf der weitere Farben aufgebaut werden können.
Lidschatten gezielt platzieren
Nach der hellen Grundierung kann eine dunklere Lidschattennuance eingesetzt werden.
Die dunklere Farbe kann beispielsweise:
auf dem Jochbogen,
als breitere Linie über dem Wimpernkranz oder
hauptsächlich im äußeren Augenwinkel
platziert werden.
Welche Variante am besten geeignet ist, hängt laut Unterlage wiederum von der Augenform ab.
Genau deshalb gibt es nicht das eine Augen-Make-up, das für jede Person gleichermaßen geeignet ist.
Weiche Übergänge machen den Unterschied
Eine der wichtigsten Regeln beim Arbeiten mit Lidschatten ist das sorgfältige Gestalten der Übergänge.
Die Unterlagen weisen ausdrücklich darauf hin, mit dem Applikator einen sanften Farbübergang zu schaffen, da dies natürlicher wirkt.
Das ist ein Grundprinzip, das sich durch die gesamte Visagistik zieht.
Eine Farbe kann perfekt gewählt und richtig platziert sein – bleiben jedoch harte, unbeabsichtigte Kanten sichtbar, wirkt das Ergebnis schnell unruhig.
Für die Praxis bedeutet das:
Farbe platzieren.
Intensität kontrollieren.
Übergänge ausarbeiten.
Das gesamte Auge betrachten.
Erst danach bei Bedarf weitere Farbe hinzufügen.
Weniger Farbe kann mehr Wirkung erzielen
Eine kräftige Lidschattenfarbe muss nicht automatisch großflächig über das gesamte Augenlid verteilt werden.
Unsere Unterlagen weisen darauf hin, dass ein solcher Look eine entsprechend starke Signalwirkung erzeugt.
Das bedeutet:
Je intensiver die Farbe, desto wichtiger wird die bewusste Entscheidung, wo und wie stark sie eingesetzt wird.
Gerade bei einem harmonischen Make-up kann ein gezielter Farbakzent wirkungsvoller sein als eine große Farbfläche.
Eyeliner – die Augenkontur betonen
Eyeliner wird in den Bedeutungserklärungen unserer Unterlagen als flüssige Farbe für feine Linien am Wimpernrand beschrieben.
Durch seinen starken Kontrast zum weißen Bereich des Auges kann ein dunkler Eyeliner die Augenkontur deutlich hervorheben.
Doch auch hier beeinflusst die Platzierung die optische Wirkung.
Bei kleinen Augen sollte laut Unterlage eine dunkle Kontur nicht vollständig um das gesamte Auge geführt werden, da dies das Auge optisch zusätzlich verkleinern kann.
Der passende Eyeliner-Pinsel
Für professionelles Arbeiten gibt es einen speziellen Eyeliner-Pinsel.
Unser Skript zu den Arbeitsutensilien beschreibt ihn als den feinsten unter den Schminkpinseln.
Er dient dem behutsamen Auftragen von Eyeliner.
Interessant ist außerdem die Unterscheidung:
Beim Schminken einer anderen Person wird ein gerader Pinsel verwendet, während beim Schminken des eigenen Gesichts ein geknickter Eyeliner-Pinsel die Arbeit erleichtern kann.
Damit zeigt sich erneut:
Das richtige Werkzeug unterstützt die Technik.
Kajal – kleine Linie, deutliche Wirkung
Kajal wird in unseren Unterlagen als eine in Minen gepresste Farbmasse beschrieben.
In den ergänzenden Bedeutungserklärungen wird seine Aufgabe als optisches Verdichten der Wimpern beschrieben.
Besonders wichtig ist seine optische Wirkung:
Ein Kajal im Innenbereich des Augenlids kann das Auge kleiner erscheinen lassen.
Das sollte besonders dann berücksichtigt werden, wenn eine Augenpartie ohnehin bereits optisch eingeengt wirkt.
Eyeliner weicher gestalten
Nicht jeder Lidstrich soll grafisch und klar wirken.
Ein konturenscharfer Eyelinerstrich kann mit einer ähnlichen Lidschattenfarbe überschminkt werden.
Dadurch entstehen weichere Übergänge, während die Betonung der Augen erhalten bleibt.
Diese Technik zeigt sehr schön, wie unterschiedliche Produkte miteinander kombiniert werden können.
Eyeliner schafft die Kontur.
Lidschatten nimmt ihr bei Bedarf etwas von ihrer Härte.
Mascara – die Augen optisch öffnen
Mascara ist die englische Bezeichnung für Wimperntusche.
Getuschte Wimpern können laut unseren Unterlagen die Augen größer und wacher erscheinen lassen. Sie unterstützen außerdem auf unaufdringliche Weise die Konturierung der Gesichtszüge.
Für eine stärkere Betonung kann die Bürste mehrfach über die Wimpern geführt werden.
Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die einzelnen Wimpern nicht stark miteinander verkleben.
Verklebte Wimpern vermeiden
Auch dafür gibt es ein eigenes Werkzeug: die Wimpernspirale. Sie soll nach dem Tuschen verwendet werden, damit die Wimpern nicht verkleben. Zusätzlich kann die Wimpernspirale zum Aufbürsten der Augenbrauen verwendet werden.
Sind bereits Klümpchen entstanden, nennen die Unterlagen außerdem ein kleines Kämmchen oder ein straff gehaltenes, fusselfreies Kosmetiktuch als Möglichkeiten zum Nacharbeiten.
PRAXISTIPP: Mehr Mascara bedeutet nicht automatisch schönere Wimpern. Entscheidend sind Definition, Trennung und eine zum gewünschten Look passende Intensität.
Wimpernzange und Wimpernstab
Bereits bei den Arbeitsutensilien haben wir zwei weitere Hilfsmittel kennengelernt.
Wimpernzange
Sie dient zum Hochbiegen der Oberwimpern.
Wimpernstab
Dabei handelt es sich laut Bedeutungserklärung um einen Heizstab zum Erwärmen und Hochbiegen der Oberwimpern.
Diese Werkzeuge können dabei unterstützen, die Wimpern stärker nach oben auszurichten und dadurch die Wirkung der Augenpartie zu verändern.
Welche Lidschattenarten gibt es?
Unsere Fachkunde-Unterlagen unterscheiden drei grundlegende Lidschattenarten:
Puderlidschatten
Lidschattenstifte
Cremelidschatten
Der richtige Lidschattenpinsel
Aus Kapitel 2 kennen wir bereits zwei wichtige Pinsel für das Augen-Make-up.
Pinsel für die Grundschattierung
Dieser wird im Arbeitsutensilien-Skript als ungefähr einen Zentimeter breit, fest gebunden und vorne leicht abgerundet beschrieben.
Er eignet sich für die Grundschattierung des Lidschattens.
Pinsel zur Farbintensivierung
Für gezieltere und intensivere Farbarbeiten kommt ein schmälerer Pinsel zum Einsatz.
Das Grundprinzip ist einfach:
Je gezielter die Farbe platziert werden soll, desto präziser sollte das Werkzeug sein.
Der Lidschatten-Applikator
Neben Pinseln kann ein Lidschatten-Applikator verwendet werden.
Ein guter Applikator besitzt laut unseren Ausbildungsunterlagen einen festen Schwämmchenteil.
Gibt dieser zu stark nach, kann der Lidschatten nicht ausreichend satt aufgetragen werden, was wiederum seine Haltbarkeit beeinträchtigen kann.
Professionelle Applikatoren können außerdem auswechselbare Köpfe besitzen, wodurch Farbwechsel schneller möglich werden.
Augen-Make-up und Brille
Eine Brille kann die optische Wirkung der Augen deutlich verändern.
Unsere Fachkunde-Unterlagen unterscheiden dabei zwischen Kurz- und Weitsichtigkeit.
Bei Kurzsichtigkeit
Die Augen wirken durch die Gläser kleiner.
Das Skript empfiehlt:
helle und glänzende Farbtöne,
einen zarten Lidstrich am oberen Wimpernrand,
eine Schattierung des Unterlids mit Kajal und
kräftig getuschte obere und untere Wimpern.
Bei Weitsichtigkeit
Hier wirken die Augen durch die Gläser eher größer.
Empfohlen werden:
matte, mittlere bis dunkle Farbtöne,
eine Umrandung mit Kajal oder Eyeliner und
eher zart getuschte Wimpern.
Bei starken Gläsern nennt das Skript statt schwarzer Wimperntusche Grau oder Blau als Möglichkeiten.
Auch hier wird wieder deutlich, dass Make-up immer im Zusammenhang mit der gesamten optischen Wirkung betrachtet werden sollte.
Einen Schwerpunkt setzen
Ein ausdrucksstarkes Make-up bedeutet nicht automatisch, alle Bereiche des Gesichts gleichzeitig stark zu betonen.
Für ein ausdrucksvolles Tages-Make-up empfiehlt die ergänzende Fachunterlage, einen Schwerpunkt zu setzen, anstatt Augen und Lippen gleichzeitig in kräftigen Tönen zu schminken.
Sind die Augen bereits stark betont, können die Lippen entsprechend dezenter gestaltet werden.
Das sorgt für mehr Ruhe im Gesamtbild und lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf die gewünschte Gesichtspartie.
Hygiene rund um die Augen
Die Augenpartie ist besonders empfindlich.
Deshalb gehört zum professionellen Augen-Make-up nicht nur die richtige Technik, sondern auch ein sorgfältiger Umgang mit den Produkten.
Die Fachunterlage empfiehlt bei Lidschatten, Eyeliner und Mascara, den Kontakt mit dem Schleimhautbereich möglichst gering zu halten. Der Auftrag soll oberhalb des Wimpernkranzansatzes beginnen und nicht unmittelbar darauf. Kajal wird dabei als Ausnahme genannt.
Besonders sorgfältig sollte generell mit allen Produkten gearbeitet werden, die im Augenbereich eingesetzt werden.
Augen-Make-up Schritt für Schritt
Für die praktische Arbeit können wir die Grundlagen zu einem übersichtlichen Ablauf zusammenführen:
1. Augen analysieren
Form, Größe und Augenabstände betrachten.
2. Gewünschte Wirkung festlegen
Soll das Auge natürlich, stärker konturiert oder besonders ausdrucksvoll wirken?
3. Helle Basis schaffen
Bei einem entsprechenden Lidschatten-Look das Lid zunächst hell grundieren.
4. Dunklere Farbe gezielt platzieren
Die Position an die Augenform und gewünschte Wirkung anpassen.
5. Übergänge verblenden
Keine unbeabsichtigten harten Farbkanten stehen lassen.
6. Augenkontur gestalten
Je nach gewünschter Wirkung Kajal oder Eyeliner einsetzen.
7. Wimpern tuschen
Mascara kontrolliert auftragen.
8. Wimpern separieren
Bei Bedarf mit Wimpernspirale oder Kämmchen nacharbeiten.
9. Gesamtbild kontrollieren
Augen-Make-up immer gemeinsam mit Gesicht, Lippen und gewünschtem Stil beurteilen.
Typische Fehler beim Augen-Make-up
Fehler 1: Augenform vor dem Schminken nicht analysieren
Dieselbe Platzierung wirkt nicht bei jeder Augenpartie gleich.
Besser: Erst Form und Proportionen betrachten.
Fehler 2: Dunkle Kontur vollständig um kleine Augen ziehen
Dadurch können kleine Augen optisch noch kleiner wirken.
Fehler 3: Harte Lidschattenübergänge
Unverblendete Farbkanten können das Ergebnis unruhig wirken lassen.
Besser: Sanfte Übergänge schaffen.
Fehler 4: Zu viel kräftige Farbe großflächig einsetzen
Starke Farben besitzen eine entsprechend starke Signalwirkung.
Besser: Intensität und Platzierung bewusst wählen.
Fehler 5: Verklebte Wimpern stehen lassen
Besser: Nach dem Tuschen die Wimpern separieren.
Fehler 6: Augen und Lippen gleichzeitig übermäßig betonen
Bei einem ausdrucksvollen Tages-Make-up kann ein klarer Schwerpunkt harmonischer wirken.
Was solltest du dir für die Praxis merken?
1. Analysiere die Augen vor dem Schminken
Form, Größe und Abstände beeinflussen die Gestaltung.
2. Nutze Hell und Dunkel bewusst
Hell tritt hervor – Dunkel tritt zurück.
3. Platziere Lidschatten statt ihn nur aufzutragen
Die Position beeinflusst die Wirkung.
4. Verblende sorgfältig
Sanfte Farbübergänge lassen das Ergebnis harmonischer wirken.
5. Verwende Kajal und Eyeliner gezielt
Eine dunkle Umrandung kann Augen optisch verkleinern.
6. Mascara öffnet die Augen
Sauber getrennte Wimpern unterstützen einen wachen Ausdruck.
7. Betrachte das gesamte Gesicht
Ein Augen-Make-up sollte immer zum restlichen Make-up und zum gewünschten Stil passen.
Fazit: Ausdruck entsteht durch gezielte Platzierung
Professionelles Augen-Make-up ist weit mehr als die Kombination schöner Lidschattenfarben.
Es beginnt mit der Analyse der Augen und der Frage, welche Wirkung erzielt werden soll.
Helle und dunkle Farbtöne, Lidschatten, Eyeliner, Kajal und Mascara können anschließend gezielt eingesetzt werden, um die natürliche Augenpartie zu betonen und ihre optische Wirkung zu beeinflussen.
Dabei sind saubere Übergänge ebenso wichtig wie die Wahl der richtigen Intensität.
Denn auch beim Augen-Make-up gilt:
Nicht möglichst viel Farbe sorgt für ein professionelles Ergebnis – sondern die richtige Farbe am richtigen Platz.
MERKSATZ: Augen analysieren, Farben gezielt platzieren und Übergänge weich gestalten – so entsteht Ausdruck, ohne die Individualität zu verlieren.




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